Besuch aus Hong Kong

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Chinesen von Heimkehrer-Dankeskirche beeindruckt

Besuch aus der Partnerdiözese Hongkong bekam kürzlich das Bischöfliche Jugendamt in Essen. 23 junge Menschen sind von fern angereist, um sich im Bistum Essen mit Jugendlichen über die kirchliche Jugendarbeit auszutauschen und über Begegnungsmöglichkeiten nachzudenken. Im Laufe ihres Besuches konnten sie Projekte der Jugendberufshilfe, der offenen Kinder- und Jugendarbeit, Jugendkirchen oder die Freiwilligendienste im Bistum näher kennenlernen. Aber auch die Kultur kommt bei diesem Besuch nicht zu kurz. So standen auch Besuche auf Zeche Zollverein, des Ruhrmuseums, des Gasometers und der Bochumer Heimkehrer-Dankeskirche in Weitmar auf dem Programm. Untergebracht war die Gruppe gemeinsam mit den Jugendlichen aus dem Bistum Essen im Jugendhaus St. Altfrid.

Besuch aus Hongkong in der Heimkehrer-DankeskircheBegleitet wurde die Gruppe der jungen Chinesen bei ihrem Besuch in der Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar von dem Bochum Stadtjugendpfarrer Matthias Feldmann und dem BDKJ-Stadtseelsorger Florian Rommert. Alfons Stiewe führte die Besuchergruppe dann durch die Heimkehrer-Dankeskirche und brachte den jungen Chinesen so ein bedeutendes Stück deutscher Geschichte näher. Die Heimkehrer-Dankeskirche in Bochum-Weitmar wurde 1958 von Pfarrer August Halbe errichtet. Nach seiner Heimkehr aus einer fünfjährigen Kriegsgefangenschaft im Ural begann er zusammen mit 20 weiteren Kriegsgefangenen den Bau der Kirche als Ausdruck der Dankbarkeit vor Gott und die Rettung aus der Haft. Am 12. Dezember 1959 weihte der erste Essener Bischof Dr. Franz Hengsbach die Kirche und seit 2005 steht das Gotteshaus unter Denkmalschutz. In der Krypta befindet sich heute ein Museum, das zahlreiche Gegenstände enthält, die in den Lagern mit deutschen Kriegsgefangenen entstanden sind. Hinzu kommen Gemälde und Zeichnungen aus dem Alltagsleben der Lagerinsassen, unter anderem eine Kopie der bekannten Madonna aus Stalingrad. Die Kirche ist somit zu einem Erinnerungsort von nationalem Rang geworden, in der die historische und religiöse Erinnerung einer Generation von Kriegsteilnehmern ihren Ausdruck gefunden hat. Auch für junge Menschen sind Kirche und Krypta lohnenswert: Zum einen erhalten sie Einblicke in die dunklen Jahre der Geschichte. Zum anderen vermittelt der Ort ein tieferes Verständnis für ein Leben in Frieden und Freiheit. Nachfolgenden Generationen soll hier vor Augen geführt werden, dass das Recht der Freiheit und der Menschenwürde nicht selbstverständlich ist und stets ins Bewusstsein gerückt und bewahrt werden muss.

Besuch aus Hongkong in der Heimkehrer-DankeskircheAssunta aus Hong Kong, eine der Teilnehmerinnen, meinte nach dem Kirchenbesuch: "Ich empfinde es als so großartig, Zeuge der Geschichte dieser Gemeinde zu sein." Eine weitere chinesische Teilnehmerin, Natalie, sagt: "Wir sind sehr stolz, dass wir die Chance hatten, deutsche Geschichte zu erleben. Der Schmerz und die Fehler, die über uns eingebrochen waren, zeigen uns, dass Friede und Einheit zielführend sind." Dann fährt Natalie mit einem Gebet fort: "Der barmherzige Gott beschütze diese Gedenkstätte und es macht mich glücklich, dass er mich sicher nachhause begleiten wird." Der Chinese Kim, ebenfalls aus Hong Kong, formuliert im Gästebuch der Heimkehrer-Dankeskirche eindruckvoll ein Gebet, dass die Umschreibung der berühmten Stalingradmadonna - Licht, Leben, Liebe - aufgreift: "Danke Gott, dass du uns ein Licht gesandt hast. Du hast die Gnade des Seins, besitzt das Leben und die kostbare Gabe zu lieben und geliebt zu werden."

Als Alfons Stiewe zum Abschluss des Besuches der Gäste aus dem Partnerbistum Hong Kong die Schutzmantelmadonna der Kirche am Seitenaltar erläuterte, zündet er zwei Kerzen an. Eine - so sagt er - für Hong Kong und eine für das Bistum Essen. Daraufhin ertönte in dem Bochumer Mahnmal für Frieden und Aussöhnung unter den Völkern etwas sicherlich einzigartiges und symbolträchtiges: In chinesicher, deutscher, englischer Sprache begannen die Teilnehmer zu beten und wandten sich international mit dem "Ave Maria" vertrauensvoll an die Gottesmutter.

Fotos: H. Haferkamp